Wie mir ein ehrliches Kompliment geholfen hat meine Selbstzweifel und mein Ego los zu lassen

Vor ca 10 Tagen in Bad Meinberg bei meiner Yoga Lehrer Ausbildung morgens um 9 Uhr übten wir während unserer Yoga Stunde seitlichen Spagat. Während unsere Yogalehrerin uns anleitete,  jetzt mit geradem Rücken nach vorne zu lehnen & wer kann die Brust natürlich flach auf den Boden zwischen die Beine ab zu legen kam so ein leichter Schwall an Aggressionen in mir hoch. Nach bereits etwas mehr als einer Woche Yoga, Meditation, Mantra singen und Vorträgen von morgens bis abends und 7 Stunden am Tag auf dem Boden sitzen fühlte sich mein 20 jähriger Körper an als ob er über Nacht um die 70 Jahre gealtert wäre.

Mit Brust flach ablegen war da nix.

Und wie ich da so vor mich hin grummelnd versuchte meinen Körper irgend wie dem Boden auch nur ansatzweise näher zu bringen schaute ich mich im Raum um, wie es denn so meinen Mitschülern ging (natürlich in der Hoffnung, dass ich nicht die einzige bin, die da gerade ziemlich kämpfen muss). Und während mein Blick so durch den Raum schweift und es Gott sei dank den meisten so erging wie mir, blieb mein Blick an einem anderen jungen Mädchen hängen, die gerade zur 3. Woche neu dazu gekommen war. Und da lag sie, im perfekten seitlichen Spagat mit der Brust flach auf dem Boden.

Da ging es dann auch schon los in mir, der große Aufstand. „Die blöde Kuh, warum liegt die so flach auf dem Boden, und dann auch noch so perfekt im Spagat. Und lange dicke glänzende Haare hat die auch noch. Was fällt der eigentlich ein. Blöde lange schöne Haare.“

So ungefähr sah die Konversation in meinem Kopf aus.

Geholfen hat mir das auch nicht im Kampf um jeden Zentimeter Bodennähe. Ich hab mich nur noch mieser gefühlt und ein armes unschuldiges Mädchen (in meinem Kopf) beleidigt.

Nach ein paar Sekunden Gemecker und Gezicke in meinem Kopf merkte ich, was ich da gerade für Scheiße vor mich hin denke und zog ganz schnell die Handbremse. Diesen Weg werde ich nicht Berg ab gehen, in dieses Gedankenkarussell von Selbstzweifeln und Beleidigungen. Ich beschloss genau das Gegenteil von dem zu machen, was mir mein Ego jetzt gerade riet.

Nach der Yogastunde stand ich auf, ging zu dem jungen Mädchen mit diesen verdammt schönen Haaren und dem perfekten Spagat und erzählte ihr genau das. Das sie wunderschöne Haare hätte und ich verdammt noch mal genau so gerne im Spagat sitze würde wie sie. Und ich kann Dir sagen, es tat so gut ihr das zu sagen, denn plötzlich breitete sich ein riesen Strahlen über ihr Gesicht aus. Sie hatte sich so über mein Kompliment gefreut, dass sie sogar am nächsten Tag noch einmal Danke dafür sagte.

Und meine Selbstzweifel sowie der Neid auf ihre Haare & den Spagat waren wie weg geblasen. Stattdessen erfreute ich mich beim nächsten Mal ihr dabei zu zu schauen wie einfach sie in den Spracht rutschte und auf den Moment, an dem es mir genauso gehen wird. Der ist vielleicht jetzt noch nicht gekommen, doch das wird er. Meine Beine brauchen dafür einfach etwas länger. Und das ist okey so.

In den nächsten Tagen quatschen wir immer öfter und verstanden uns richtig gut.

Das wäre nicht passiert, wenn ich meinem Ego gefolgt und weiterhin böse auf mich, meine Beine und ihre Haare gewesen wäre.

Was ich damit versuche zu sagen ist, dass ersten die Schönheit eines anderen Menschen nicht die Abwesenheit Deiner Schönheit bedeutet und zweitens es Dir und der anderen Person überhaupt nichts bringt, wenn Du Dich und sie fertig machst.

Es macht Dich nicht schöner oder besser, wenn Du jemand anderen schlecht machst. Es zeigt nur, was Du für ein Mensch bist.

Stattdessen sei ehrlich, und am besten erzähl der anderen Person genau das, was Du an ihr schöner oder besser findest als an Dir. Mach ihr ein Kompliment. Erzähl ihr, dass Du auch gerne solche langen Haare hättest oder so perfekt im Spagat sitzen können würdest. Denn das zeigt Stärke. Die Schönheit von anderen zu feiern ohne Dich selbst dabei in Frage zu stellen oder Dich schlecht zu fühlen.

Es geht darum anderen hoch zu helfen anstatt sie runter zu schubsen. Denn Du bleibst so oder so auf Deiner Stelle stehen, egal ob Du ihr hoch hilfst oder sie runter schubst, das einzige was sich ändert, ist der Mensch der Du bist. Bist Du ein Mensch mit offenem Herzen oder jemand der von Selbsthass zerfressen alles und jeden mit nach unten zieht.

Nein danke, den Weg will ich nicht gehen.

Also jedes Mal, wenn ich merke, dass mich die Schönheit eines anderen Menschen einschüchtert oder mich schlecht fühlen lässt gehe ich zu der Person und mache ihr ein ehrliches aufrichtiges Kompliment. Manchmal sage ich auch genau das, was ich fühle. Und glaube mir, es öffnet nicht nur Dein Herz sondern auch das von der Person gegenüber. Denn Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit und Komplimente aus dem Herzen sind leider eine Seltenheit.

Ich hoffe das Dich meine kleine Geschichte ein bisschen dazu inspiriert, Dein Ego das nächste mal auch nach Hause zu schicken, Dein Herz zu öffnen und andere Menschen hoch zu heben, anstatt runter zu schubsen.

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